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Biofilm in der Wundversorgung: Was er ist, wie er entsteht und wie man ihn behandelt

Was ist ein Wundbiofilm – und warum ist er so problematisch?

Chronische Wunden, die trotz intensiver Versorgung nicht abheilen wollen, haben häufig eine gemeinsame Ursache: einen Biofilm. Schätzungen zufolge sind mehr als 60 Prozent aller chronischen Wunden von einem Biofilm betroffen.

Ein Biofilm ist mehr als nur eine gewöhnliche Ansammlung von Bakterien. Man kann ihn sich als eine gut organisierte Gemeinschaft winziger Bakterien vorstellen, die sich an der Wunde festsetzen und eine schützende Schleimschicht um sich herum bilden. In diesem Verbund sind sie deutlich widerstandsfähiger – sowohl gegenüber Medikamenten und desinfizierenden Mitteln als auch gegenüber der körpereigenen Abwehr.

Für die Heilung bedeutet ein Biofilm meist: Die Wunde kommt nicht voran, entzündet sich immer wieder, das Infektionsrisiko steigt und die Heilung wird deutlich erschwert. Solange der Biofilm nicht erkannt und gezielt behandelt wird, bleibt die eigentliche Ursache bestehen.

Wie ein Biofilm entsteht: Schritt für Schritt

Ein Wundbiofilm entsteht in mehreren Phasen, die sich innerhalb weniger Stunden bis Tage abspielen können. Wer diese Entwicklung kennt, versteht auch besser, warum eine frühzeitige und konsequente Behandlung so wichtig ist.

Phase 1 – Erste, noch lockere Anhaftung: Einzelne, frei bewegliche Bakterien gelangen in die Wunde und setzen sich an der Wundoberfläche fest. In dieser frühen Phase lassen sie sich noch vergleichsweise gut mit desinfizierenden Mitteln und Antibiotika bekämpfen.

Phase 2 – Feste Anhaftung: Die Bakterien verankern sich fester, bilden erste Bestandteile ihrer schützenden Schleimschicht und stellen sich nach und nach auf den „Biofilm-Modus“ um. Schon jetzt sprechen sie schlechter auf äußere Einflüsse an.

Phase 3 – Reifung: Die Schleimschicht wächst, und die Bakteriengemeinschaft wird immer organisierter. Über eine Art chemische Kommunikation stimmen sich die Bakterien untereinander ab. Der Biofilm wird dadurch 100- bis 1.000-mal widerstandsfähiger als einzelne, frei bewegliche Bakterien.

Phase 4 – Ausbreitung: Ein reifer Biofilm setzt immer wieder einzelne Bakterien frei, die sich an anderer Stelle neu ansiedeln. Das erklärt, warum sich Infektionen ausbreiten können und warum ein Biofilm nach der Entfernung oft schnell nachwächst – häufig schon innerhalb von 24 bis 72 Stunden.

Besonders häufig treten Biofilme bei chronischen Wunden auf – zum Beispiel beim „offenen Bein“ (Ulcus cruris), beim diabetischen Fußsyndrom, beim Wundliegen (Dekubitus) oder bei Wunden, die nach einer Operation schlecht heilen. Zu den häufigsten beteiligten Keimen gehören bestimmte Bakterien wie Staphylokokken (darunter auch der als MRSA bekannte, gegen viele Antibiotika unempfindliche Keim) und Pseudomonas sowie Hefepilze der Candida-Gruppe.

Woran erkennt man einen Biofilm?

Einen Biofilm sicher nachzuweisen, ist im Praxisalltag schwierig: Ein direkter Nachweis wäre nur mit aufwändigen Laborverfahren möglich. Deshalb stützt sich die Einschätzung meist auf typische Anzeichen an der Wunde und auf den bisherigen Heilungsverlauf.

Folgende Hinweiszeichen sollten hellhörig machen:

  • Die Wunde heilt trotz guter, regelmäßiger Versorgung über mehr als vier Wochen nicht ab
  • Die Wunde nässt vermehrt, ohne dass klassische Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung oder Wärme auftreten
  • Glänzende, glasige oder schleimige Wundoberfläche
  • Trotz desinfizierender Behandlung kehren Infektionen immer wieder
  • Die Wunde zeigt anhaltende Entzündungszeichen, obwohl ein Abstrich keine Keime nachweist (ein Abstrich erfasst einen Biofilm oft nicht)
  • Die Wunde spricht nicht auf Antibiotika an, die über den Körper (z. B. als Tabletten oder Infusion) gegeben werden

Wichtig zu wissen: Ein unauffälliger Wundabstrich schließt einen Biofilm nicht aus. Ein Abstrich erfasst vor allem frei bewegliche Bakterien – die im Biofilm eingeschlossenen Bakterien lösen sich dagegen kaum von selbst heraus. Deshalb sind die Beobachtung der Wunde über die Zeit und die Einschätzung des Behandlungsteams besonders wichtig.

Warum herkömmliche Wundmittel und Antibiotika oft nicht ausreichen

Viele Betroffene kennen das: Eine Wunde spricht nicht auf desinfizierende Auflagen an, obwohl der Keim im Labor eigentlich empfindlich wäre. Oder eine wochenlange Antibiotika-Behandlung bringt die Wunde trotzdem nicht zum Heilen. Der Grund dafür ist häufig die Schutzschicht des Biofilms.

Die Schleimschicht des Biofilms wirkt wie eine Schutzbarriere: Viele Wirkstoffe dringen gar nicht bis zu den tief liegenden Bakterien vor. Zusätzlich können einzelne Bakterien Stoffe bilden, die Antibiotika unwirksam machen, bevor sie ihr Ziel überhaupt erreichen.

Besonders hartnäckig ist eine kleine Gruppe von Bakterien, die sich innerhalb des Biofilms in eine Art Ruhezustand zurückzieht. In diesem Zustand überleben sie selbst hohe Wirkstoffmengen und können die Wunde nach Ende der Behandlung erneut besiedeln. Antibiotika wirken vor allem gegen aktive Bakterien – diese ruhenden Zellen erreichen sie daher kaum.

Das Ergebnis: Selbst wenn ein Biofilm mechanisch entfernt oder geschwächt wird, kann er aus diesen widerstandsfähigen Resten heraus schnell wieder nachwachsen. Herkömmliche Behandlungen sollten deshalb durch Verfahren ergänzt werden, die auf andere Weise wirken – nicht nur über Medikamente.

Kaltplasma und Biofilm: wie diese moderne Therapie wirkt

Die Kaltplasma-Therapie wirkt auf eine grundlegend andere Weise als herkömmliche desinfizierende Mittel oder Antibiotika – und genau das macht sie für die Behandlung von Biofilmen so interessant.

Kaltplasma ist ein spezielles, kaltes ionisiertes Gas, das durch Energiezufuhr entsteht. Es erzeugt verschiedene wirksame Bestandteile wie reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen sowie geladene Teilchen. Diese greifen Bakterien und ihren Biofilm in der Wunde auf mehreren Ebenen an, schwächen sie und unterstützen so die natürliche Wundheilung.

  • Auflösen der Schutzschicht: Die wirksamen Bestandteile des Kaltplasmas greifen die schützende Schleimschicht des Biofilms an und schwächen sie. Dadurch werden die darin eingeschlossenen Bakterien wieder angreifbar – auch für andere Behandlungen.
  • Direkte Wirkung gegen Bakterien: Die wirksamen Bestandteile schädigen die Bakterien direkt und an mehreren Stellen gleichzeitig. Weil sie nicht nur an einem einzigen Punkt ansetzen, können die Bakterien dagegen kaum Widerstandskräfte entwickeln.
  • Keine Förderung von Resistenzen: Weil Kaltplasma nicht wie ein Medikament über einzelne Angriffspunkte wirkt, können die Bakterien keine Unempfindlichkeit dagegen aufbauen. Das ist besonders wertvoll bei Keimen, gegen die viele Antibiotika bereits nicht mehr wirken – etwa bei sogenannten multiresistenten Erregern wie MRSA.

PlasmaDerm erzeugt das Kaltplasma direkt an der Wundoberfläche – in gleichbleibender, verlässlicher Qualität. Eine Besonderheit ist die nachgewiesene Tiefenwirkung: Das Verfahren verbessert die Durchblutung auch in tieferen Gewebeschichten, und zwar anhaltend über Stunden. Eine so belegte Wirkung ist bei keinem anderen zugelassenen Kaltplasma-Gerät dokumentiert.

Für die Behandlung bedeutet das: Während die wirksamen Bestandteile an der Oberfläche die Schutzschicht schwächen und Bakterien ausschalten, wird zugleich die Durchblutung des Gewebes gefördert – eine wichtige Grundlage dafür, dass die Wunde anschließend besser heilen kann.

Wundreinigung und Kaltplasma: eine sinnvolle Kombination

Eine wirksame Behandlung von Biofilm-Wunden kombiniert mehrere Maßnahmen, die sich gegenseitig ergänzen. Der erste und wichtigste Schritt ist das sogenannte Debridement – also das gründliche Reinigen der Wunde, bei dem abgestorbenes Gewebe, Beläge und Biofilm-Reste entfernt werden.

Eine Reinigung allein reicht jedoch meist nicht aus: Selbst nach sorgfältigem Säubern bleiben in kleinen Wundvertiefungen und auf der Wundoberfläche Biofilm-Reste zurück. Ohne eine anschließende, gegen Keime gerichtete Behandlung bildet sich der Biofilm schnell wieder neu.

Genau danach entsteht ein günstiges Zeitfenster für die Kaltplasma-Therapie: Direkt nach der Wundreinigung – wenn die Schutzschicht des Biofilms bereits geschwächt ist – kann das Kaltplasma besonders gut wirken. Die wirksamen Bestandteile erreichen nun auch tiefer liegende Bakterien, und die keimreduzierende Wirkung entfaltet sich in einer bereits vorbereiteten Wunde.

Diese Reihenfolge – erst die Wundreinigung, dann die Kaltplasma-Anwendung – gilt in der Fachwelt als besonders vielversprechend für Wunden, die sonst nicht heilen wollen. PlasmaDerm ist als Medizinprodukt geprüft und zertifiziert und lässt sich sowohl in der Klinik als auch in der ambulanten Versorgung gut einsetzen.

Was Sie und Ihre Angehörigen konkret tun können

Was bedeutet das Wissen über Biofilm konkret für Sie als Betroffene oder als Angehörige?

  • Auf Warnzeichen achten: Wenn eine Wunde über mehrere Wochen nicht kleiner wird, immer wieder Infektionen auftreten oder die Wundoberfläche glänzend und schmierig wirkt, kann ein Biofilm dahinterstecken. Sprechen Sie solche Beobachtungen – ob als Betroffene oder als Angehörige – aktiv beim Behandlungsteam an, besonders wenn sich die Wunde länger als vier Wochen nicht bessert.
  • Wunde regelmäßig reinigen lassen: Ein Biofilm kann sich innerhalb von ein bis drei Tagen wieder neu bilden. Eine einmalige Reinigung genügt daher meist nicht – wichtig ist eine regelmäßige, fachgerechte Wundreinigung durch Ihr Behandlungsteam.
  • Die passende Wundbehandlung wählen: Nicht jedes desinfizierende Mittel dringt gut in einen Biofilm ein. Ihr Behandlungsteam kann gezielt Mittel und Wundauflagen auswählen, die auch gegen Biofilm wirken.

Ergänzende Behandlungen nutzen: Zusätzlich zur Wundreinigung können moderne Verfahren wie die Kaltplasma-Therapie oder spezielle Wundauflagen helfen, den Biofilm in den Griff zu bekommen – einzeln oder in Kombination.

Den Heilungsverlauf im Blick behalten: Regelmäßige Kontrollen – zum Beispiel mit Fotos und einer Vermessung der Wunde – helfen dabei, Fortschritte frühzeitig zu erkennen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

Biofilm gezielt angehen – mit modernen Therapieansätzen

Der Biofilm ist eine der größten Herausforderungen bei chronischen Wunden – und zugleich eine der am häufigsten übersehenen Ursachen, wenn eine Wunde einfach nicht heilen will. Wer versteht, was ein Biofilm ist, versteht auch, warum herkömmliche Behandlungen bei manchen Wunden an ihre Grenzen kommen.

Die Kombination aus gründlicher Wundreinigung und modernen Verfahren wie der Kaltplasma-Therapie eröffnet neue Möglichkeiten: Die Bakterien können keine Unempfindlichkeit dagegen entwickeln, die Behandlung ist verlässlich und in gleichbleibender Qualität durchführbar – in der Klinik, in der ambulanten Versorgung und, nach entsprechender Anleitung, auch zu Hause.

Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet das: Eine chronische Wunde mit Biofilm muss man nicht einfach hinnehmen. Moderne, gezielt auf den Biofilm ausgerichtete Behandlungen bieten heute neue Möglichkeiten, die Heilung wieder in Gang zu bringen. Scheuen Sie sich nicht, Ihr Behandlungsteam gezielt darauf anzusprechen.