Ulcus cruris: Kaltplasma-Therapie bei venösen und arteriellen Wunden

Was ist ein Ulcus cruris – und warum ist es so schwer zu behandeln?
Das Ulcus cruris – umgangssprachlich häufig als „offenes Bein“ bezeichnet – gehört zu den häufigsten und therapeutisch anspruchsvollsten chronischen Wunden. In Deutschland leiden Schätzungen zufolge rund eine Million Menschen an einem Ulcus cruris, ältere Menschen sind überproportional betroffen. Trotz etablierter Therapiekonzepte bleiben Heilungsraten unbefriedigend, Rückfallquoten hoch, und die Belastung für Betroffene sowie das Versorgungssystem ist erheblich.
Was das Ulcus cruris so schwer behandelbar macht, ist seine multifaktorielle Pathogenese. Das heißt: Die Wunde entsteht nicht primär durch eine Verletzung, sondern als Folge einer zugrundeliegenden Gefäßerkrankung – entweder einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI), einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) oder, in einem erheblichen Anteil der Fälle, als Kombination beider Faktoren. Die Therapie einer solchen Wunde setzt immer an der Grunderkrankung an. Dennoch stagniert ein erheblicher Teil der Wunden trotz kausaler Therapie.
Venös, arteriell, gemischt: die drei Formen und ihre Unterschiede
Die korrekte Differenzierung des Ulcus cruris nach seiner Entstehung ist Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie.
Ulcus cruris venosum: Mit einem Anteil von 60 bis 80 Prozent aller Unterschenkelgeschwüre ist das venöse Ulcus die häufigste Form. Ursache ist ein chronischer venöser Hochdruck durch nicht ausreichend schließende Venenklappen. Das Blut staut sich in den tiefen Beinvenen, der venöse Rückfluss ist gestört. Das klinische Bild: meist am Unterschenkel, seichtes, unregelmäßig begrenztes Geschwür mit umgebender chronischer Entzündung der Haut, Hyperpigmentierung und Schwellung. Die Gewebeperfusion ist bei rein venösem Ulcus in der Regel nicht kritisch eingeschränkt. Basis der Kausaltherapie ist die Kompressionstherapie.
Ulcus cruris arteriosum: Mit einem Anteil von etwa 5 bis 20 Prozent ist diese Form deutlich seltener, aber therapeutisch anspruchsvoller. Ursache ist eine periphere arterielle Durchblutungsstörung (pAVK), die zu Gewebeschäden führt. Klinisch zeigt sich häufig ein seitlich am Unterschenkel gelegenes, tieferes, scharf begrenztes Ulcus mit schmerzhaftem Wundrand und blass-nekrotischem Wundgrund. Entscheidend: Kompressionstherapie ist hier kontraindiziert. Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung wieder zu verbessern.
Ulcus cruris mixtum: Bei einem erheblichen Anteil der Patienten – Schätzungen variieren zwischen 15 und 25 Prozent – liegt eine Kombination aus venöser und arterieller Komponente vor. Diese Form ist diagnostisch und therapeutisch besonders herausfordernd, da Kompressionstherapie nur eingeschränkt angewendet werden darf und die Kausaltherapie beider Komponenten berücksichtigt werden muss.
Warum klassische Wundversorgung bei Ulcus cruris oft nicht ausreicht
Auch bei konsequenter kausaler Therapie – also Kompression beim venösen Ulcus und Durchblutungsverbesserung beim arteriellen Ulcus – heilen viele Ulcera nicht oder nur sehr langsam. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Lokale Infektionslast und Biofilm: Ulcera cruris weisen regelmäßig eine hohe Keimzahl auf. In chronischen Wunden bilden Bakterien häufig Biofilme, die für herkömmliche Antiseptika und Antibiotika nur schwer angreifbar sind. Der Biofilm unterhält eine chronische Entzündungsreaktion, die die Geweberegeneration hemmt.
- Gestörtes Wundmilieu: Bei einem Ulcus cruris, also einem offenen Bein, ist die Wunde oft dauerhaft gereizt oder entzündet. Dadurch gerät der normale Heilungsprozess aus dem Gleichgewicht.
- Eingeschränkte Durchblutung: Beim arteriellen und gemischten Ulcus ist die Gewebedurchblutung reduziert. Das erschwert die Zufuhr von Immunzellen, Sauerstoff und Nährstoffen – und damit jeden Heilungsprozess.
- Compliance-Probleme: Kompressionstherapie erfordert eine konsequente Anwendung über Monate bis Jahre. Viele Patienten führen die Behandlung nicht konsequent genug durch, wodurch die Beschwerden häufig wieder auftreten.
Kaltplasma bei Ulcus cruris: Keimreduktion, Entzündungsmodulation, Mikrozirkulation
Kaltplasma-Therapie adressiert mehrere der genannten Problemmechanismen gleichzeitig – und das ist ihr wesentlicher therapeutischer Vorteil beim Ulcus cruris.
- Keimreduktion: Kaltplasma erzeugt ein Gemisch aus reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies (RONS), die Bakterien effektiv inaktivieren. Anders als Antibiotika und viele Antiseptika wirkt Kaltplasma physikalisch-chemisch und erzeugt keinen Druck für Resistenzentwicklung. Klinische Studien und Fallserien belegen, dass nach kurzer Behandlungszeit eine deutliche Keimreduktion erreicht werden kann.
- Entzündungsmodulation: Kaltplasma beeinflusst das lokale Entzündungsgeschehen nachweislich. In der richtigen Dosierung können die reaktiven Teilchen dazu beitragen, eine chronische, schädliche Entzündung wieder in einen normalen Heilungsprozess zu überführen. Das Ergebnis: ein Wundmilieu, das Heilungsprozesse aktiv unterstützt.
- Mikrozirkulation: Dies ist das einzigartige Alleinstellungsmerkmal von PlasmaDerm. Das elektrische Feld der DBE-Technologie verbessert nachweislich die Mikrozirkulation in tieferen Gewebeschichten – anhaltend über Stunden nach der Behandlung hinaus. Gerade beim Ulcus cruris, wo Perfusionsdefizite ein zentrales Therapieproblem darstellen, ist dieser Effekt von erheblicher klinischer Relevanz.
Besonderheit der Tiefenwirkung bei eingeschränkter Gefäßversorgung
Die einzigartige Tiefenwirkung von PlasmaDerm verdient beim Ulcus cruris besondere Aufmerksamkeit. Während andere Kaltplasma-Geräte primär an der Wundoberfläche wirken, durchdringt das elektrische Feld von PlasmaDerm das Gewebe und stimuliert die Mikrozirkulation in tieferen Schichten.
Bei einem arteriell bedingten Ulcus cruris – oder einer Mischform mit Durchblutungsstörung – heißt das: Auch wenn die großen Blutgefäße noch nicht richtig funktionieren und die Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung noch nicht abgeschlossen oder nicht ganz erfolgreich ist, kann sich die Durchblutung im kleinen Gefäßsystem der Wunde trotzdem verbessern.
Dieser Effekt ist in der Kaltplasma-Forschung durch bildgebende Verfahren dokumentiert. PlasmaDerm ist das einzige zugelassene Kaltplasma-Gerät, für das dieser Wirkeffekt explizit nachgewiesen und kommuniziert werden kann – ein echter differenzierender Nutzen gegenüber alternativen Kaltplasma-Systemen.
Integration in bestehende Kompressionstherapie-Konzepte
Kaltplasma-Therapie beim Ulcus cruris venosum ergänzt die Kompressionstherapie, ersetzt sie aber nicht. Die Kompression bleibt die unverzichtbare Kausaltherapie des venösen Ulcus. Kaltplasma adressiert die lokale Wundebene – Keimbelastung, Entzündung, Mikrozirkulation – und schafft damit die Voraussetzungen, unter denen Kompressionstherapie ihre volle Wirkung entfalten kann.
In der praktischen Versorgung bedeutet das: Kaltplasma kann bei jedem Verbandwechsel als zusätzlicher Behandlungsschritt vor dem Verbandanlegen eingesetzt werden. Die Behandlungszeit mit PlasmaDerm beträgt bei der Flächenbehandlung 90 Sekunden pro Behandlungsareal von bis zu 27,5 cm². Bei größeren Wunden sind mehrere Behandlungsschritte in einer Sitzung möglich.
Wichtig: Beim arteriellen und gemischten Ulcus ist die Indikation zur Kompressionstherapie sorgfältig zu prüfen. Bei pAVK-Komponente – Knöchel-Arm-Index unter 0,5 gilt in der Regel als Kontraindikation – darf keine unkontrollierte Kompression angewendet werden. Die Kaltplasma-Therapie als lokale Maßnahme ist davon unabhängig und kann auch bei arteriellen Wunden eingesetzt werden.

Einsatz im ambulanten und stationären Setting
PlasmaDerm ist für den Einsatz in Klinik, ambulanter Versorgung und – nach entsprechender Einweisung – im häuslichen Umfeld geeignet. Für die Ulcus-cruris-Versorgung ist diese Flexibilität besonders wertvoll.
- Stationärer Einsatz: In der Klinik kann PlasmaDerm in den regulären Verbandwechsel integriert werden. Chirurgische und dermatologische Abteilungen sowie spezialisierte Wundstationen profitieren von der reproduzierbaren Plasmaqualität und der einfachen Bedienbarkeit, die auch wechselndem Pflegepersonal eine sichere Anwendung ermöglicht.
- Ambulanter Einsatz: Pflegedienste, Wundzentren und Arztpraxen können PlasmaDerm mobil einsetzen.
- Heimanwendung: Nach einer strukturierten Einweisung durch Fachpersonal ist PlasmaDerm auch für die Selbstanwendung durch Patienten geeignet. Für Ulcus-cruris-Patienten, die Monate oder Jahre in Behandlung sind, kann die Möglichkeit zur häuslichen Anwendung die Therapieintensität steigern und die Belastung durch Pflegebesuche reduzieren.
Fazit: Kaltplasma als Baustein im Ulcus-cruris-Behandlungsplan
Das Ulcus cruris bleibt eine der großen Herausforderungen in der modernen Wundversorgung. Kausale Therapie – also Kompression oder Revaskularisierung – ist unverzichtbar, aber allein oft nicht ausreichend. Die lokale Wundebene mit ihren komplexen Problemen wie Keimbelastung, Biofilm, Entzündung und Perfusion braucht eine eigene therapeutische Strategie.
Kaltplasma-Therapie mit PlasmaDerm bietet genau das: einen Wirkmechanismus, der Keimreduktion, Entzündungsmodulation und die Tiefenwirkung auf die Mikrozirkulation kombiniert.
Wer das Ulcus cruris evidenzbasiert behandeln möchte, hat mit PlasmaDerm eine klinisch belegte Ergänzung zu seinem Therapiearsenal – in der Klinik, im Wundzentrum, in der ambulanten Pflege und, nach Einweisung, im häuslichen Umfeld des Patienten.